Motivieren Sie Ihr Team – oder eigentlich nur sich selbst?

Genau darüber haben wir kürzlich mit einer Gruppe von Führungskräften gesprochen. Mithilfe der „Moving Motivators“ haben wir unterschiedliche Motive und Antreiber reflektiert. Nach kurzer Zeit wurde es ungewöhnlich still im Raum. Eine Teilnehmerin formulierte schließlich einen Gedanken, der vielen aus der Seele sprach: „Ich dachte immer, ich motiviere mein Team. Vielleicht motiviere ich gerade nur mich selbst.“
Wir führen oft so, wie wir selbst geführt werden möchten
Diese Erkenntnis ist nachvollziehbar. Jeder Mensch orientiert sich zunächst an den eigenen Erfahrungen. Wer selbst gerne eigenverantwortlich arbeitet, gibt seinem Team möglichst viel Freiheit. Wer klare Strukturen schätzt, sorgt für verbindliche Prozesse. Wer durch Anerkennung motiviert wird, versucht häufig genau das auch anderen zu geben.
Das Problem beginnt dort, wo wir unbewusst davon ausgehen, dass andere Menschen dieselben Bedürfnisse haben wie wir. Genau das ist jedoch selten der Fall.
Motivation ist individuell
Menschen arbeiten aus unterschiedlichen Gründen engagiert. Die einen möchten möglichst eigenständig Entscheidungen treffen. Andere wünschen sich klare Orientierung und Sicherheit. Manche suchen Einfluss, Gestaltungsmöglichkeiten oder Verantwortung. Wieder andere erleben Motivation vor allem dann, wenn sie merken, dass ihre Arbeit einen Sinn hat oder ihre Leistung wahrgenommen wird.
Keine dieser Motivationen ist richtiger oder wichtiger als eine andere. Sie unterscheiden sich lediglich. Genau deshalb gibt es auch keine Führungsmethode, die alle Menschen gleichermaßen motiviert.
Führung beginnt mit echtem Interesse
Wer sein Team wirksam führen möchte, sollte deshalb weniger fragen: „Was würde mich motivieren?“ Entscheidend ist vielmehr die Frage: „Was braucht mein Gegenüber?“
Diese Haltung verändert Gespräche. Führungskräfte hören genauer zu, stellen mehr Fragen und verzichten häufiger auf vorschnelle Annahmen. Sie erkennen, dass Mitarbeitende keine Kopien ihrer eigenen Persönlichkeit sind, sondern Menschen mit eigenen Werten, Erfahrungen und Antreibern.
Das bedeutet nicht, jede Führung individuell neu zu erfinden. Es bedeutet jedoch, Unterschiede wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Genau darin liegt oft der Unterschied zwischen gut gemeinter und tatsächlich wirksamer Führung.
Unser Impuls
Vielleicht lohnt es sich, die eigene Motivation einmal bewusst von der Motivation des Teams zu trennen. Was Sie antreibt, muss nicht automatisch auch andere begeistern. Gute Führung beginnt dort, wo wir neugierig bleiben und versuchen zu verstehen, was Menschen wirklich brauchen, um ihre Stärken einzubringen.
Frage zum Mitnehmen:
Führen Sie Ihr Team so, wie Ihre Mitarbeitenden es brauchen – oder so, wie Sie selbst gerne geführt werden möchten?