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Viele Teams haben kein Konfliktproblem. Sie haben ein Harmonieproblem.

In einem unserer Seminare baten wir die Teilnehmenden um eine ungewöhnliche Übung. Beim sogenannten „Silent Feedback“ sollten sie anonym Situationen notieren, die sie seit Wochen beschäftigen – Themen, die sie wahrnehmen, aber trotzdem nicht ansprechen. Die Ergebnisse waren überraschend ehrlich und gleichzeitig erstaunlich ähnlich.

Auf den Karten standen Sätze wie: „Ich spreche schlechte Zusammenarbeit nicht mehr an.“ Oder: „Ich vermeide kritisches Feedback, um niemanden zu verletzen.“ Andere schrieben, dass sie Verhalten tolerieren, das sie eigentlich längst hätten ansprechen müssen, oder darauf hoffen, dass sich Probleme mit der Zeit von selbst lösen.

Während wir die Karten gemeinsam betrachteten, wurde etwas deutlich. Die Herausforderung war nicht fehlendes Feedback. Die Herausforderung war das Feedback, das nie ausgesprochen wurde.

Wenn Harmonie wichtiger wird als Klarheit

Viele Teams wirken nach außen harmonisch. Es gibt wenig Streit, die Stimmung scheint gut und Konflikte treten kaum sichtbar auf. Das wird häufig als Zeichen einer funktionierenden Zusammenarbeit verstanden. Tatsächlich lohnt sich ein genauerer Blick.

Manchmal entsteht diese Harmonie nicht durch Vertrauen, sondern durch Zurückhaltung. Schwierige Themen werden vermieden, kritische Rückmeldungen aufgeschoben und Spannungen lieber ausgehalten als offen angesprochen. Das wirkt kurzfristig angenehm. Langfristig entstehen jedoch Unsicherheit und Frustration.

Die eigentlichen Konflikte verschwinden nicht. Sie wechseln lediglich den Ort. Statt offen im Gespräch werden sie in Kaffeeküchen, Fluren oder privaten Nachrichten geführt.

Empathie hat Grenzen

Viele Führungskräfte handeln dabei aus einer guten Absicht. Sie möchten niemanden verletzen, Rücksicht nehmen und die gute Atmosphäre im Team erhalten. Genau deshalb fällt es schwer, kritische Themen anzusprechen.

Doch Empathie kann kippen. Aus Verständnis wird Konfliktvermeidung. Aus Rücksicht wird fehlende Führung. Und jedes Verhalten, das dauerhaft toleriert wird, entwickelt sich mit der Zeit zu einem neuen Standard.

Mitarbeitende beobachten sehr genau, welche Themen ihre Führungskraft anspricht – und welche nicht. Schweigen sendet ebenfalls eine Botschaft. Es vermittelt, welches Verhalten akzeptiert wird und worüber besser nicht gesprochen werden sollte.

Psychologische Sicherheit bedeutet nicht, nett zu sein

Ein häufiger Irrtum besteht darin, psychologische Sicherheit mit Harmonie gleichzusetzen. Tatsächlich beschreibt sie etwas anderes. Menschen sollen offen sprechen können, ohne persönliche Nachteile befürchten zu müssen. Dazu gehört ausdrücklich auch, unterschiedliche Meinungen zu äußern, Fehler anzusprechen oder kritisches Feedback zu geben.

Ein Team entwickelt sich nicht dadurch, dass alle möglichst freundlich bleiben. Es entwickelt sich dann, wenn schwierige Gespräche möglich sind und trotzdem Vertrauen erhalten bleibt.

Unser Impuls

Vielleicht braucht Ihr Team nicht noch mehr Harmonie. Vielleicht braucht es den Mut, Themen früher anzusprechen. Nicht verletzend oder konfrontativ, sondern klar, respektvoll und mit dem gemeinsamen Ziel, Zusammenarbeit zu verbessern.


Frage zum Mitnehmen:
Welches Verhalten wird in Ihrem Team seit Wochen toleriert, obwohl längst darüber gesprochen werden sollte?

Aus Gedanken werden Veränderungen.

Jeder Impuls ist eine Einladung, die eigene Führung neu zu betrachten. Manchmal reicht schon ein neuer Blickwinkel, um Gespräche anders zu führen, Entscheidungen bewusster zu treffen oder Zusammenarbeit nachhaltig zu verändern.

Wenn Sie diese Themen in Ihrem Unternehmen weiterdenken möchten, begleiten wir Sie gerne – mit Trainings, Workshops, Coachings und Organisationsberatung.