Wenn Teams sich wie im Kindergarten verhalten, liegt das Problem oft woanders

Die wenigsten Menschen kommen morgens zur Arbeit und beschließen, heute schwierig zu sein. Niemand nimmt sich vor, Verantwortung abzuschieben, Konflikte auszusitzen oder Kolleginnen und Kollegen bewusst auszuschließen. Solches Verhalten entsteht meist nicht aus böser Absicht. Häufig ist es Ausdruck von Unsicherheit, fehlender Orientierung oder Spannungen, die über längere Zeit ungelöst geblieben sind.
Verhalten hat fast immer einen Auslöser
Wenn Führungskräfte problematisches Verhalten beobachten, liegt der erste Impuls oft in der Bewertung. Mitarbeitende gelten als unreif, unmotiviert oder schwierig. Diese Einschätzung ist menschlich, hilft jedoch selten dabei, die Situation nachhaltig zu verbessern.
Hilfreicher ist ein Perspektivwechsel. Statt sofort über Menschen zu urteilen, lohnt sich die Frage, welche Rahmenbedingungen ein solches Verhalten begünstigen. Gibt es klare Erwartungen? Fühlen sich Mitarbeitende sicher genug, Probleme offen anzusprechen? Werden Konflikte frühzeitig geklärt oder über längere Zeit ignoriert?
Nicht jedes Verhalten lässt sich dadurch erklären oder entschuldigen. Es verändert jedoch den Blick auf die eigentliche Ursache. Denn häufig liegt das Problem nicht allein bei einzelnen Personen, sondern im Zusammenspiel des Teams.
Teamkultur entsteht nicht zufällig
Jedes Team entwickelt mit der Zeit eigene Muster. Es lernt, worüber gesprochen wird und worüber besser nicht. Es erlebt, welche Fehler akzeptiert werden und welche Konsequenzen nach sich ziehen. Und es beobachtet sehr genau, wie Führungskräfte auf schwierige Situationen reagieren.
Bleiben Konflikte dauerhaft ungeklärt, entsteht schnell der Eindruck, dass offenes Ansprechen unerwünscht ist. Werden Verantwortlichkeiten nicht geklärt, wächst Unsicherheit. Und wenn Spannungen über längere Zeit bestehen bleiben, suchen Menschen andere Wege, mit ihnen umzugehen. Dann entstehen Gespräche auf dem Flur statt im Meeting oder kleine Gruppen statt echter Zusammenarbeit.
Führung beginnt bei der eigenen Reflexion
Natürlich trägt jeder Mensch Verantwortung für sein eigenes Verhalten. Gleichzeitig gehört es zur Aufgabe von Führung, den Rahmen zu gestalten, in dem Zusammenarbeit gelingt. Deshalb lohnt sich in schwierigen Situationen eine zusätzliche Frage: Was in unserer Teamkultur könnte dieses Verhalten begünstigen?
Diese Perspektive verändert den Fokus. Statt ausschließlich nach Schuldigen zu suchen, richtet sich der Blick auf die Bedingungen, unter denen Zusammenarbeit stattfindet. Genau dort entstehen häufig die wirksamsten Veränderungen.
Unser Impuls
Schwieriges Verhalten sollte nicht ignoriert werden. Im Gegenteil. Es braucht Klarheit, Konsequenz und manchmal auch unbequeme Gespräche. Gleichzeitig lohnt es sich, Verhalten nicht nur zu bewerten, sondern verstehen zu wollen. Denn nicht selten zeigt das Verhalten einzelner Menschen auf Spannungen hin, die das gesamte Team betreffen.
Frage zum Mitnehmen:
Wenn Sie in Ihrem Team gerade Verhalten beobachten, das Sie irritiert – worauf könnte dieses Verhalten eigentlich hinweisen?